Singen lernen Vorüberlegungen

Singen lernen Vorüberlegungen

Singen lernen-Ausgangsfragen

Ich weiß, Du willst ganz schnell ein/e berühmte/r Sänger/in werden und lieber Vorgestern als Gestern reich und berühmt sein.

Aber bitte, bitte: Gib mir trotzdem ein paar Minuten um Dich mit ein paar Grund-Überlegungen zu konfrontieren! Es geht auch ganz schnell! 😉

 Da wäre zunächst die Fragen

 Warum willst Du Sänger werden?

Weil Du singen so toll findest, und es nur seiner selbst betreiben willst? Das ist eine sehr gute Ausgangs-Situation.

Oder weil Du reich und berühmt werden willst? Vergiss es! Die Wahrscheinlichkeit dafür ist 1:1.000.000 oder weniger – und das hat nichts mit dem Können zu tun. Schau Dir an, wie viele das wollen und wie viele es schaffen.

Und wie lange sie dann oben bleiben. Die meisten verschwinden nach maximal 1-2 Jahren wieder. Spiel lieber Lotto, das kostet Dich nur ein paar Euro in der Woche und die Chancen sind ähnlich. Oder such Dir eine Branche, in der die Marktchancen besser sind, weil es weniger Konkurrenz und mehr Kaufwillige gibt.

 Was willst Du genau erreichen? Willst Du singen „nur“ als Hobby betreiben? Keine schlechte Einstellung – ein schönes Hobby! Oder willst Du Profi werden?

 Welchen Stil willst Du singen? Klassik? Was genau? Oper, Lied oder Oratorium? Oder lieber Jazz, Pop oder Rock?

 Wo stehst Du im Moment – welches ist Deine Startposition? Ist Dein Ausbildungs-Level noch Anfänger oder bist Du schon fortgeschritten oder gar Profi?

Wie sieht es mit Deinem Talent aus? Hast Du rhythmisches, melodisches, sprachliches und darstellerisches Talent gleichermassen oder gibt es Schwächen?

Wie ist Deine Ausgangs-Lage – realistisch betrachtet? Bist Du musikalisch genug? Ist Deine Stimme „gut“ genug? In der Popmusik spielt das keine so große Rolle, weil „gut“ oder „schlecht“ reine Geschmacksache ist. Beim Operngesang aber sollte die Stimme ein bestimmtes Grundvolumen haben und auch wenn es fast jeder lernen kann, seine Singstimme funktional aufzuschliessen, gibt es doch erhebliche Unterschiede im Volumen, das erzielt werden kann – aus rein physiologischen, angeborenen Gründen, die man auch mit noch so viel Training nicht ändern kann.

 Bist Du bereit den Preis für Dein Ziel zu bezahlen? Oder besser gesagt: Die Preise? Die Unterrichts-Kosten, die Zeit, den Aufwand, über Jahre?

Falls Du es schaffst, Profi zu werden, willst Du dann die jeweilige Berufssituation hinnehmen? Kannst Du Dir vorstellen, wie langweilig es werden kann, als Musical-Sänger über Monate und Jahre immer wieder die selbe Partie zu singen? Oder als Opernchorsänger immer wieder neue Opern zu lernen, und stundenlang bei szenischen Proben warten zu müssen? Wie hart es sein kann, als Opernsolist, Pop- oder Rockstar immer aus dem Koffer zu leben, ewig auf reisen? Wie es ätzen kann, als Top-40-Band-Sänger immer wieder die ganze Anlage durch die Gegend zu schleppen und auf- und abbauen zu müssen? Den Verstärkerlärm zu ertragen und Dir die Nächte um die Ohren zu schlagen?

Denk dabei nicht nur an die nächsten 1 oder 2 Jahre – natürlich können die erst mal toll sein, wenn alles neu für Dich ist. Aber was kommt danach? Nach 10, 20 oder 30 Jahren?

Auch Du wirst älter, glaub mir! 😉

Bist Du bereit, Dich Kritik zu stellen, auch und vor Allem von Leuten, die selbst keine Ahnung und keinerlei Talent haben?

Kaum jemand kann die Arbeit eines Kernphysikers beurteilen, aber jeder (aber auch wirklich jeder) hat eine Meinung zu Sängern und Musikern. Und diese Meinung ist zudem oft von starken Emotionen und dem Anspruch der absoluten Wahrheit begleitet.

Ist Dir klar, dass es für unbekannte Sänger keinerlei Nachfrage gibt und Du – zusammen mit einer erdrückenden Konkurrenz – praktisch bei 0 anfangen musst? Und zwar vom Ende Deiner Ausbildung an – nicht von Beginn?

Wenn Du den Weg trotz allem gehen willst – wie willst Du Dich ausbilden lassen? In einem Gesangsstudium, durch einen Privatlehrer, im Selbststudium oder in einem Online-Kurs?

Mit all diesen Fragen und Überlegungen lasse ich Dich jetzt erst mal alleine, letztendlich wird es Deine Entscheidung sein, die Dir niemand abnehmen kann und darf!

Du willst meinen Rat hören? Ok: Selbst wenn Du Dich dafür entscheidest, Profisänger werden zu wollen: Mach es „nebenbei“! Mental darfst Du Dich ruhig den ganzen Tag damit beschäftigen, aber besonders als Anfänger ist es eher kontra-produktiv, länger als 30 Minuten pro Tag am Stück zu singen. Und auch für den Profi ist diese Zeit eigentlich genug. Alles, was darüber hinaus geht, sollte in der Regel mit zumindest teilweisem Markieren überbrückt werden!

By | 2017-05-26T09:14:11+00:00 März 13th, 2014|Singen - Stimme, Musik & Phrasierung|0 Comments

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