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Warum ich ohne Aufnahmen nie singen gelernt hätte

Warum ich ohne Aufnahmen nie singen gelernt hätte

Viel Enthusiasmus und keinen Plan

Wir schreiben das Jahr 1984. Ein junger Mann von gerade einmal 19 Jahren hat den Plan gefasst, Popsänger zu werden. In seiner Kindheit und Jugend hat er es irgendwie verpasst, sich mit Musik zu beschäftigen. Entsprechend unterentwickelt ist er in der Umsetzung ganz wesentlicher musikalischer Elemente.

Er kann keine Takte zählen, weiß nichts von Akkorden oder Tonarten und gute Sänger kennt er nur aus dem Radio oder Fernsehen. Auf seiner tragbaren Stereoanlage, die er zum 18.ten Geburtstag bekommen hat, hört er begeistert die aktuellen Hits und schneidet sie direkt auf Kassette mit.

In seiner grenzenlosen Begeisterung versucht er, alles was da läuft und ihm gefällt mitzusingen: David Bowie, Tears for fears, Frankie Goes to Hollywood, Paul Young, Howard Jones, Nik Kershaw und wie sie alle heißen.

Keine Ahnung, aber davon viel

Von Stimmlagen hat der junge Mann keine Ahnung, auch nicht davon, dass er eine ganz andere Stimmlage hat als all die Sänger, die er versucht zu imitieren. Und natürlich: Davon, dass man als Sänger seinen eigenen Weg gehen muss, hat der junge Mann auch keine Ahnung. Und so singt, nein, brüllt er alles mit, was ihm gefällt, so lange bis er Halsschmerzen bekommt und noch darüber hinaus.

Er ist davon überzeugt, dass er die hohen Töne schon irgendwann kriegen wird, wenn er es nur oft genug versucht. Alles Trainingssache! Bei den Sängern im Radio kann man ja deutlich hören, dass es so schwer nicht sein kann.

Irgendwann kauft sich der junge Mann ein Mikrofon und schließt es an seine Stereoanlage an. Er drückt auf „Aufnahme“ und beginnt zu singen. Er ist aufgeregt und fühlt sich phantastisch. Gleich wird er hören, wie schön er singen kann. Er drückt die Stop-Taste, spult zurück und hört sich das Ergebnis an …

Himmel hilf, was ist das denn?

Der junge Mann ist schockiert. Was er da hört, klingt grauenhaft, das ist doch nicht das, was er gerade aufgenommen hat!? Da kann irgendwas mit dem Gerät nicht stimmen.

Der junge Mann ist frustriert. Sein Enthusiasmus ist überschattet von einer bedrückenden Stimmung, die in Richtung Verzweiflung geht. Hat sein Großvater recht, wenn er sagt, dass man mit 20 kein Musiker mehr wird? Oder sein Vater, dass er aufhören soll, weil er eine „Sistrum-Stimme“ hat?

Nein, das kann nicht sein. Es muss an etwas anderem liegen.

Ach ja, es hat nur Hall gefehlt 😉

Irgendwann kommt der junge Mann zu dem Schluss, dass es der Hall sein müsse. Natürlich, die Profis hatten alle Hall auf Ihrer Stimme. Glücklicherweise bekommt er ein paar alte Bühnen-Lautsprecher mit eingebauten Hall-Federn geschenkt.

Er stöpselt sein Mikrofon ein und singt hinein. Schön laut kommt seine Stimme aus dem Lautsprecher. Und es hallt so schön. Je mehr Hall der junge Mann seiner Stimme hinzufügt, desto besser gefällt es ihm.

Dann nimmt er es auf und hört es sich nochmal an. Naja, besser als vorher aber gut ist was anderes. Mist. Und als er sich die Aufnahme dann nochmal über seine Stereo-Anlage anhört, klingt es wieder frustrierend. Über die großen Lautsprecher klang es nur besser, weil es lauter war, nicht weil Hall drauf war. Und jetzt klingt es wieder schlecht – nur dieses Mal „schlecht mit Hall“.

Der Hall kann´s also nicht gewesen sein

Nebenbei schreibt der junge Mann seine ersten Songs. Vom Arrangieren hat er keine Ahnung und er kann nur ein paar Akkorde auf dem Keyboard drücken. Aber er hat gute Ideen. Die bringen aber nichts, wenn sie nur in seinem Kopf bleiben und er sie nicht umsetzen kann. Weder sängerisch, noch Aufnahme-technisch.

Der junge Mann kauft sich für fast 1000 DM einen 4-Spur-Kassetten-Rekorder. Mithilfe einer normalen Audio-Kassette (weißt Du noch, was das überhaupt ist?) kann er nun 4 Mono-Spuren halbwegs passabel nacheinander aufnehmen und dann zusammen mischen. Das waren noch echte Demos, wirklich Lichtjahre entfernt von professionellen Produktionen. Und entsprechend ist der junge Mann zwar zunächst begeistert, dass er nun ganz alleine wie eine kleine Band Musik machen kann, letzten Endes dann aber doch unbefriedigt, dass es noch immer lange nicht so klingt wie aus dem Radio.

Zwischen-Station Alleinunterhalter

Inzwischen hat der junge Mann eine einträgliche Einnahmequelle für sich entdeckt: Er spielt als Alleinunterhalter . Mit der Gesangsanlage, die er sich dafür gekauft hat, hört er sich selbst viel besser beim Singen und macht zum ersten Mal deutliche Fortschritte. Er hört sich nämlich von außen und kann so direkt hören, was gut klingt und was nicht. Es ist das gleiche Prinzip wie wenn man Aufnahmen von sich macht.

Und obwohl der junge Mann noch ganz am Anfang seiner sängerischen Entwicklung steht, spielt er hier in Punkto Qualität schon ganz oben mit. Nicht weil er so gut ist, sondern weil die Konkurrenz einfach grottenschlecht ist.

Dicke alte Männer, die niemals singen gelernt haben, trällern schreckliche Lieder zu kitschigem Heimorgel-Sound – und verdienen sich damit dumm und dämlich.

Das erste Tonstudio

1989 richtet sich der junge Mann dann endlich ein richtiges, naja, fast richtiges Tonstudio ein. Er nimmt einen Kredit über DM 40.000 auf(das wären heute auch etwas 40.000 Euro) und kauft sich eine 16-Spur-Bandmaschine, ein 24-Kanal Mischpult und einige Effektgeräte und Synthesizer.

Er macht seine ersten Aufnahmen mit mehr als 4 Spuren und kann seinen Gesang mit Effekten belegen. Einige Ergebnisse klingen recht passabel, besonders die in tiefer Lage mit „Mikrofonstimme“ gesungenen Lieder. Mit hohen Tönen und lautem Gesang tut sich der junge Mann aber nach wie vor sehr schwer. Wenn er nämlich hohe Töne probiert, dann sind es hohe Tenor-Töne. Er weiß nicht, dass er gar kein Tenor ist. Und sein Gesangslehrer, der leider von Gesang keine Ahnung hat, weiß es auch nicht.

Nach einem Jahr Knöpfe drehen und Kredit zurück zahlen, hat der junge Mann erst mal genug vom eigenen Studio. Erleichtert schaut er zu, wie ein eifriger Käufer die Geräte aus seiner Wohnung trägt.

Der erste DAT-Rekorder

So begnügt sich der junge Mann in den folgenden Jahren mit einem Diktiergerät mit Kassette, um seinen Gesang zu kontrollieren, bis er seinen ersten DAT-Rekorder kauft – wieder für an die € 1000. Dazu zwei Kondensator-Mikrofone und ein Vorverstärker mit Phantom-Speisung. Schon hat er wieder € 2000 an der Backe und kann doch nur eine Stereo-Spur „aus dem Raum“ aufnehmen – mehr nicht. Keine Extra-Effekte, keine Klangbearbeitung, nichts. Immerhin: Klassik-Live-Aufnahmen „aus dem Raum“ konnte er so schon in professioneller Qualität machen.

Und mit dieser Ausrüstung hört er nun viel klarer und genauer, was er da tut als mit dem Diktiergerät. Und er beginnt, seinen Gesang nicht nur mit den berühmten Tenören Carreras, Domingo und Pavarotti zu vergleichen, sondern auch noch mit Baritonen und Bässen.

Und wenn er es sich recht überlegt: Klingt er nicht viel eher wie ein Bass als wie ein Tenor? Wie kam es eigentlich dazu, dass sein Gesangslehrer meinte, er sei Tenor? Wie kam es, dass er jahrelang hohe Töne brüllen musste, die weder gut klangen, noch sich gut anfühlten, noch in seiner Stimme von Natur aus angelegt waren?

3 Jahre Autodidakt und ab ins erste Engagement

Der junge Mann übt jetzt nur noch alleine. Von 1992-1995 bemüht er täglich seinen DAT-Rekorder und vergleicht sich mit guten Bässen, vor allem Nicolai Ghiaurov. Er macht viele Fehler und verschwendet viel Zeit mit falschen Vorstellungen über Gesang, aber trotzdem übt er jetzt effektiver als mit jedem Gesangslehrer, den er bisher getestet hat.

1995 geht er vorsingen und erhält sein erstes Engagement im Opernchor der städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach.

Die Demokratisierung der Arbeitsmittel

Du ahnst es bereits, wer dieser Junge Mann ist. Ich bin´s, Matthias Ernst Holzmann, Betreiber dieser Website und Autor dieses Artikels.

Erst 2001 war die Computer-Technik weit genug fortgeschritten, dass ich mir mit geringem finanziellen Aufwand ein digitales Tonstudio einrichten und professionelle Musik-Produktion lernen konnte, ohne mich für den Rest meines Lebens verschulden zu müssen.

Vorbei die Zeit der fetten Bandmaschinen und Mischpulte, der Hardware-Effektgeräte und Synthesizer-Racks. Die Gegenwart und die Zukunft sind digital. Und obwohl ich seit 1995 Profi bin, habe ich erst seit 2001 richtig singen gelernt, erst seit ich mich kompromisslos gut aufnehmen kann und auch gelernt habe, wie das funktioniert.

Die Zeit der Selbstdenker ist gekommen

Du kannst heute uneingeschränkt das tun, wovon ich vor 30 Jahren nur träumen konnte: Deinen Gesang in Top-professioneller Qualität aufnehmen zu einem Preis, der etwa 100 x niedriger liegt als damals.

Und jetzt, wo Du meinen Werdegang als Sänger kennst, verstehst Du vielleicht auch, warum ich im erstenVideo-Kurs über das Thema „singen lernen“ kein Thema gewählt habe, das unmittelbar damit zu tun hat, sondern Dich zunächst erst einmal in die Lage versetzen will, Dich optimal selbst zu kontrollieren und unabhängig zu werden von der Meinung anderer.

Nur deshalb heißt mein erster Video-Kurs „Gesang professionell aufnehmen„. Wenn Dir das einleuchtet – was ich hoffe – dann solltest Du Dich jetzt dort einschreiben!

Du lernst alles, was Du wissen musst, und kannst mir sogar persönlich Fragen stellen. Damit Du meinen Irrweg nich nachgehen musst! 😉

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