Warum Du Dich selbst so gut hören können solltest wie andere Dich hören

Warum Du Dich selbst so gut hören können solltest wie andere Dich hören

Weißt Du, wie Du klingst?

Bevor es Aufnahme-Geräte gab, war ein Sänger ganz von seinem Gesangslehrer abhängig. Zu dieser Zeit hätte ich kein Sänger werden können! Erstens konnte ich nie einem Gesangslehrer 100%-ig vertrauen und zweitens fehlte mir die Gabe, mich selbst „von innen“ beurteilen zu können. Inzwischen weiß ich immer, wie ich gerade von außen klinge, weil ich jahrzehntelange Erfahrung mit Aufnahmen habe.

Das ist ein kolossaler Vorteil und ich kann Dir nur wärmstens empfehlen, Dir den gleichen Vorteil zu verschaffen. Nur so wirst Du unabhängig von der Meinung Anderer und machst Dein eigenes Ding.

Stell Dir einen sehr schlecht sehenden Maler vor, der immer jemanden fragen muss, wie sein Bild aussieht. Genau so gehen die meisten Sänger durch´s Leben.

Du lebst in der richtigen Zeit!

Noch vor wenigen Jahren musste man Unsummen ausgeben, um sich vernünftig aufnehmen zu können. Als ich Mitte der 80er anfing, kostete das Equipment für ein professionelles Tonstudio hundert Tausende von D-Mark. Heute bist Du mit ein paar hundert Euro dabei. Studio-Besitzer wollen das nicht hören, aber es ist die Wahrheit. Dass man dennoch jahrelanges Training und Talent braucht, um mit dem Zeug auch richtig umgehen zu können, ist eine andere Geschichte.

Aber nichts und niemand sollte Dich davon abhalten können, Deine sängerische Entwicklung selbst zu überwachen, anstatt nur auf Deinen Gesangslehrer zu vertrauen.

Vertrauen ist gut …

… Kontrolle ist besser! Wenn Du einen guten Gesangslehrer hast, was relativ unwahrscheinlich sein dürfte, ist es trotzdem noch der Geschmack eines Dritten, der über Deinen Gesang urteilt. Willst Du das? Oder willst Du nicht viel lieber selbst über Deinen künstlerischen Ausdruck entscheiden? Mein ich doch! Ein Sänger ist ein Künstler. Und ein Gesangslehrer ist jemand, der dem Künstler in seine Kunst rein redet. Da es auch um „handwerkliche“ Dinge geht, die man erst mal lernen muss, ist das auch stückweise gut so. Aber irgendwo muss dann auch mal Schluss sein und Du selbst zum Gestalter Deines Gesangs werden.

Und – jawoll – da ist er wieder, der Bezug zum Leben ganz Allgemein: Übernimm selbst die Verantwortung für alles, was Du tust und was in Deinem Leben passiert. Und natürlich auch für Deinen Gesang.

Der Neben-Effekt

Wenn Du Dich selbst aufnimmst und vielleicht sogar Deine eigene Musik schreibst und produzierst, so wie ich, hat das noch den angenehmen Neben-Effekt, dass Du etwas Bleibendes schaffst. Gesang an sich „verpufft“ ja sofort, kaum dass er die Kehle verlassen hat. Eine Aufnahme aber, kannst Du Dir auch in 100 Jahren noch anhören. (Ok, vielleicht nicht Du, aber Deine Enkel!)

Und Du kannst Deine eigene Entwicklung nachvollziehen und denken: „Um Himmels Willen, was habe ich mir denn dabei gedacht?“ Oder: „Geil, da habe ich mich wirklich selbst übertroffen!“ Oder: „Das war eine coole Zeit, damals, als ich diesen Song aufnahm.“

Keine Angst!

Ich weiß, dass es für einen Anfänger frustrierend sein kann, seine Aufnahmen anzuhören. Du hast all diese guten Sänger im Ohr, die Dir professionell produziert aus den Lautsprechern entgegen tönen. Aber wenn Du jetzt der Wahrheit ins Auge siehst und es schaffst, Spaß dabei zu haben, Dich zu entwickeln, dann wirst Du Dein Ziel 10 x schneller erreichen, als wenn Du so tust als wärst Du jetzt schon der Größte und Dich der Realität entziehst.

Die Gefahr

Denk aber auch daran: Wenn Du einmal eine gute Aufnahme von Dir hinbekommen hast, heißt das noch lange nicht, dass Du jetzt immer gut singst. Wenn Du einmal Abitur hast, hast Du immer Abitur. Gesang muss aber immer neu entstehen. Du kannst einmal perfekt singen und beim nächsten Mal katastrophal. Der wichtigste Faktor ist dabei die Intonation!

Niemand engagiert einen Opernsänger aufgrund seines Diploms. Man muss für jedes Engagement neu vorsingen. Und der Held von heute kann der Loser von Morgen sein. Und der Sänger, der an einem Abend den Saal rockt, weil er so gut drauf ist, kann seinem Publikum am nächsten Abend ohne direkten Körper-Kontakt Schuhe und Strümpfe auf einmal ausziehen!

Fazit

Wenn Du immer weißt, wie Du von außen klingst, weil Du gelernt hast, Dich mit Tonaufnahmen selbst zu kontrollieren, hast Du eine hohe Professionalität erreicht und musst Dir von niemandem mehr etwas erzählen lassen.

Du weißt dann selbst, ob Du gut warst und kannst mit Dir selbst schimpfen oder Dir eben wohlwollend auf die Schulter klopfen! Wann fängst Du damit an?

By | 2017-05-26T09:14:04+00:00 Februar 27th, 2015|Singen - Stimme, Musik & Phrasierung|0 Comments

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