Die Oper im Jahr 2011

Die Oper im Jahr 2011

Mir persönlich erscheint es so, dass immer weniger Menschen etwas von der Oper wissen wollen. Waren in den 70er Jahren noch große TV-Shows mit Opernsängern angesagt, wissen heutzutage viele Menschen nicht einmal mehr, was ein Opernsänger überhaupt ist. Wir, die wir tagtäglich dort arbeiten, vergessen schnell: Die Oper hat für einen Großteil der Bevölkerung nur eine kleine oder gar keine Bedeutung. Die meisten waren noch nie in der Oper, halten “Tenor” für ein anderes Wort für “Opernsänger” und fangen an zu knödeln, wenn sie einen Opernsänger imitieren wollen.

Meiner Meinung nach krankt die Oper heute hauptsächlich an 2 Haupt-Problemen:

1.) Klassische Opern werden fast immer modern inszeniert und verlieren dadurch teilweise oder ganz den Bezug zur eigentlichen Handlung. Schlimmer noch: Häufig wird sogar die Handlung verdreht und pseudo-intellektuell umgedeutet. Wenn Sagen-Helden plötzlich im Bänker-Anzug daher kommen, mag das vielleicht zu Diskussionen anregen (obwohl das inzwischen Standard geworden ist), der Zauber der eigentlichen Geschichte jedoch ist beim Teufel. Warum wird die Musik penibel bis auf den kleinsten Notenwert originalgetreu aufgeführt, während sich Regisseure und Bühnenbildner bei der Inszenierung der Geschichte hemmungslos austoben dürfen?

2.) Für die Oper wird praktisch nichts mehr komponiert, was mental gesunde Menschen mit einem normalen ästhetischen Empfinden hören wollen! Junge Komponisten, die noch schöne Musik schreiben wollen, werden bereits in der Hochschule von ihren Professoren zurecht gewiesen (habe ich mir sagen lassen). Was zur Aufführung kommt, sind Kackophonien, die sich vielleicht dazu eignen, Socken ohne Zuhilfenahme der Hände auszuziehen, Milch ohne Zusatz von Lab zu Käse gerinnen zu lassen oder einigen Freaks das Gefühl zu verleihen, einer intellektuellen Elite anzugehören. Dem gewöhnlichen Hörer – wie etwa mir – einen wohligen Schauer über den Rücken zu jagen, vermögen sie hingegen nicht. Wer heute einfach nur schöne Musik hören will, dem bleibt gar nichts anderes übrig, als sich bei den Werken verstorbener Meister, der Film- oder der Pop-Musik zu bedienen. Und das obwohl wir – durch den Steuerzahler finanziert – fantastische Mittel zur Verfügung haben: Echte Orchester, Chöre mit Profisängern und tolle Solosänger. Wie geschaffen, um auch neue Kompositionen mit ergreifender Musik überragend erklingen zu lassen. Aber wir machen ja lieber “Kunst” und Neu-Kompositionen für die Oper bleiben den Freaks vorbehalten.

By |2013-12-27T17:56:48+00:00Oktober 17th, 2011|Musik ganz allgemein|0 Comments

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